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Stellungnahme zur Schließung Lage-Hörste

Stellungnahme zur Schließung Lage-Hörste

27.05.2015 - Der geschäftsführende Bundesfachgruppenvorstand Verlage, Druck und Papier hat eine Stellungnahme zur beabsichtigten Schließung der ver.di-Bildungsstätte Lage-Hörste abgegeben. Die Adressaten der Stellungnahme sind der ver.di-Gewerkschaftsrat und der -Bundesvorstand.

Stellungnahme des geschäftsführenden Bundesfachgruppenvorstandes Verlage, Druck und Papier:

Der geschäftsführende Bundesfachgruppenvorstand VDP sieht in der Entscheidung des Gewerkschaftsrates, die Bildungsstätte Lage-Hörste zum 31.12.2015 zu schließen eine politische Entscheidung, die betriebswirtschaftlich begründet wird, und hält diese für einen schweren Fehler.

Es konnten weder die wirtschaftlichen noch die haftungsrelevanten Begründungen überzeugen. Es gab keine Antwort darauf, warum man sich bei dem Liegenschaftsamt des Landes NRW mit dem
Brandschutzgutachter nicht auf einen befristeten Weiterbetrieb und Haftungsverlängerung für die Bildungsstätte bemüht hat.

Dadurch entsteht einmal mehr der Eindruck, dass das Haftungsrisiko ein vorgeschobenes Argument zur Schließung der Bildungsstätte Lage-Hörste war.

Es ist nicht nachvollziehbar, dass der Bundesvorstand und der Gewerkschaftsrat das beispiellose Engagement und die erreichten finanziellen Maßnahmen nicht damit würdigt, alles dafür zu tun, weitere Zeit für die Kampagne zur Rettung von Hörste zu gewinnen. Warum ist nicht eine auf mehrere Jahre gestreckte Ausfinanzierung über die Sachkostenetats beschlossen worden? Bei einer Streckung auf zwei bis drei Jahre wäre eine Belastung der Sachkostenetats von ein bis zwei Prozent auf die Ebenen und die Fachbereiche aufgelaufen.

Der Umgang mit Lage-Hörste verstößt gegen die strategischen Ziele von ver.di, weil er die Bedeutung von hunderten ehrenamtlichen Multiplikator/innen für das Halten und Gewinnen von Mitgliedern verkennt. Man kann die politische Ausrichtung und die Kultur einer Bildungsstätte nicht verlustfrei auf andere Bildungsstätten übertragen. Ganz davon abgesehen, dass dies organisatorisch schon nicht machbar ist. In Lage-Hörste haben hunderte Stammgäste ihre politische Heimat. Wir wissen, wie wichtig bei der Mitgliederwerbung die persönliche Ansprache und entsprechende Empathie sind. Genauso wichtig ist das persönliche vertrauliche Verhältnis zwischen den Kolleg/innen des Hauses und der Seminarteilnehmer/innen.

Die Entscheidung gegen Lage-Hörste bestraft Gute Arbeit in mehrfacher Hinsicht. Lage-Hörste ist es seit fünf Jahren gelungen, mit viel Einsatz der Beschäftigten und der Leitungen, zunächst Holger Menze, dann Josef Peitz wichtige Kolleg/innen an das Haus zu binden, einem Fachbereich eine branchenspezifische Heimat seiner Bildungsarbeit zu geben, die Belegung insgesamt und auch über den Fachbereich hinaus zu steigern und gute Bildungsarbeit durchzuführen. Hörste hat sehr viele ehrenamtliche Unterstützer/innen. Alles wichtige Voraussetzungen für das Gelingen von Perspektive 2015 – Mehr Mitglieder, mehr Macht, mehr Möglichkeiten. Die Schließung des Hauses ist geradezu eine Missachtung eines vorbildlichen Engagements der vergangenen Jahre. Und deshalb ist die Entscheidung des Bundesvorstandes und des Gewerkschaftsrates weder den Mitgliedern noch den Seminarteilnehmer/innen vermittelbar.

Es liegt die Vermutung nah, dass ausgerechnet der ver.di-Fachbereich bestraft werden soll, dessen organisationspolitische Zuständigkeit von anderen DGB-Gewerkschaften in Frage gestellt wird. Die Schließung von Hörste läuft den Bestrebungen zuwider, die organisationspolitische Zuständigkeit industrieller Bereiche in ver.di zu verteidigen.

Mit der Entscheidung zu schließen werden wir uns nicht abfinden!

Der Bundesfachgruppenvorstand Verlage, Druck und Papier wird das Thema auf seiner Sitzung Mitte Juni nochmals diskutieren und eine Stellungnahme an die Gliederungen der Organisation senden.

Berlin, 27. Mai 2015