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Massiver Beschäftigtenabbau bei GPI International Bremen

Massiver Beschäftigtenabbau bei GPI International Bremen

16.12.2016 - Für einen Großteil der Beschäftigten des Verpackungsherstellers Graphic Packaging International Bremen wird das Weihnachtsfest nicht fröhlich und der Start in das Jahr 2017 ungewiss. Bis zu 65 der 139 Beschäftigten werden zum Ende dieses Jahres ihre Arbeitsplätze verlieren.

Der Stellenabbau ist Teil des vom Mutterkonzern in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) geforderten Restrukturierungskonzepts.

Betriebsrat und ver.di wurden Mitte November 2016 darüber informiert, dass bis zum 15.12.2016 ein annehmbares Restrukturierungskonzept mit erkennbaren Einsparpotentialen für die Weiterführung des Werkes in Bremen vorliegen muss. Ansonsten wird die weitere Finanzierung des laufenden Geschäftes im Werk Bremen zum Jahresbeginn 2017 vom Mutterkonzern eingestellt und die Geschäftsleitung GPI Bremen hätte noch im Dezember Insolvenz anmelden müssen. Grund für diese Forderung sei, dass das Werk in Bremen trotz hoher Investitionen seit dem Kauf Ende 2012 nur Verluste macht.

„ver.di und der Betriebsrat standen die ganzen Zeit mit dem Rücken an der Wand“, so kommentiert die zuständige ver.di-Gewerkschaftssekretärin Kornelia Haustermann die Situation der letzten Wochen. „Schnell war klar, dass es nur Entscheidungen zwischen Pest und Cholera geben wird.“

Der Stellenbau ist ein Teil dieses Restrukturierungskonzeptes. Die von einer Kündigung betroffenen Mitarbeiter erhalten das Angebot, für maximal zwölf Monate in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Dies wurde zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung im Interessenausgleich und Sozialplan vereinbart.

Die verbleibenden Mitarbeiter werden für zwei Jahre 2,5 Stunden in der Woche unentgeltlich arbeiten und bekommen für diesen Zeitraum eine Beschäftigungssicherung. Die Arbeitszeit wird flexibilisiert und neue Schichtmodelle werden eingeführt. Einige Bereiche, wie die Entwicklung und die IT werden von anderen Werken übernommen oder fremdvergeben. Ob auch die Werkstatt fremdvergeben wird, entscheidet sich bis Ende Januar 2017.

Gestern Abend hat der Mutterkonzern im Rahmen einer Videokonferenz dem Konzept zugestimmt, eine Insolvenz ist somit abgewendet.

Auf einer Betriebsversammlung nahmen die Beschäftigten die Botschaft mit Wut und Empörung auf: „Die Probleme sind Folge von jahrelangem Missmanagement und völliger Konzeptlosigkeit“ so eine Kollegin. „Seit langem ist bekannt, dass das Werk in Bremen über das Jahr gesehen, keine schwarzen Zahlen schreibt. Ständig wechselnde Betriebsleiter und eine Geschäftsleitung die die meiste Zeit in den Niederlanden sitzt, haben die Situation nicht verbessert, sondern verschlechtert.“

Ende 2012 wurde das ehemalige Werk der A+R Packaging Gruppe vom börsennotierten Unternehmen Graphic Packaging International gekauft. Graphic Packaging ist ein führender Anbieter von Pappkarton-Verpackungslösungen für die Getränke-, Nahrungsmittel- und sonstige Konsumgüterindustrie. In Bremen werden hauptsächlich Verpackungen und Kartons für die die Getränkeindustrie produziert.