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    Gedenken an Heinz Kapelle

    Gedenken an Heinz Kapelle

    Gedenken an Heinz Kapelle Gabi Senft Gedenken an Heinz Kapelle


    Etwa 60 Menschen trafen sich am frühen Abend des 1. Juli auf dem Parkfriedhof Tempelhof an der Stelle, wo ein einzelner Stein unter Nadelbäumen umliegende Kriegsgräber überragt: Das schlichte Grab von Heinz Kapelle. Hierher hatten Aktive zu einer Gedenkfeier für den Antifaschisten eingeladen.

    Es kamen Vertreter der VVN-BdA, von SPD und Die Linke Tempelhof-Schöneberg, vom Aktiven Museum, von ver.di u.a. Mitinitiator Ralf Derwenskus, der schon als Mitglied des Sozialistischen Jugendverbandes Karl Liebknecht in Tempelhof in den 1980er Jahren Kontakte zu überlebenden Kameraden Kapelles entwickelt hatte, sprach als erster: Man wisse nicht viel über die Grabstätte, doch immerhin einiges über den, der da liegt. Gemeinsam mit fünf anderen sei er kurz nach Kriegsbeginn festgenommen worden…

    Heinz Kapelle war Buchdrucker. Bevor er im Oktober 1939 verhaftet wurde, hatte er über Jahre eine illegale Jugendgruppe mit bis zu 60 jungen Frauen und Männern – Kommunisten wie er, Sozialdemokraten, Gewerkschafter und Anhänger der katholischen Jugend – um sich geschart. Sie wollten antifaschistische Betriebszellen aufbauen, fertigten Flugblätter, die Heinz auch mit seinem Motorrad an Berliner Fabriken abwarf. Nach dem deutschen Überfall auf Polen druckte und verteilte die Gruppe ihr Antikriegs-Flugblatt „Ich rufe die Jugend der Welt“. Die Gestapo suchte fieberhaft und machte schließlich die Druckerei in der Schönhauser Allee 9a ausfindig. Wo vom eifrigen Besitzer tagsüber auch Nazi-Propaganda geliefert wurde, hatten Kapelle und zwei zuverlässige Kollegen mit modernem Maschinensatz nachts heimlich ihren eigenen Aufruf gefertigt.

    Heinz Kapelle verriet auch unter Folter nichts und niemanden. Im Februar 1941 wurde er wegen „landesverräterischer Feindbegünstigung“ und Vorbereitung von Hochverrat zum Tode verurteilt, am 1. Juli 1941 hingerichtet. Er wurde 27 Jahre alt.

    Das war auf den Tag genau 80 Jahre her, als in Tempelhof des mutigen Widerstandskämpfers und Kollegen gedacht wurde. Lars Rauchfuß, einer der beiden SPD-Bezirksvorsitzenden, sagte, dass „Erinnern immer wieder neu erkämpft werden muss“.

    Erinnert wurde auch daran, dass der schlichte Grabstein bereits in den 1980er Jahren Ausgangspunkt „Antifaschistischer Stadtrundfahrten“ war. Organisiert von Jugendgruppen um Ralf Derwenkus und Uwe Januszewski nahmen daran auch Zeitzeugen der VVN teil und berichteten in Schulen über mutigen Widerstand in der Nazizeit, auch über die Standhaftigkeit Heinz Kapelles und seiner Kameraden. Davon erzählte übrigens auch Stephan Hermlins in seinem Buch „Die erste Reihe“, davon zeugen das „Kapelle-Ufer“ am Spreebogen in Mitte und eine Straße im Prenzlauer Berg.

    Doch der Friedhof an der Gottlieb-Dunkel-Straße ist seit Längerem zum Park umgewidmet. Vorhandene Gräber haben nur bis 2027 Bestandsschutz. Für einige gibt es ein Erhaltungskonzept, für Heinz Kapelles Grab bislang nicht. Um die Ruhestätte zu erhalten, müsste sie als hauptstädtisches „Ehrengrab“ eingestuft werden. Dafür setzen sich Initiatoren und Teilnehmer der Gedenkfeier nun ein.  neh/coli