Nachrichten

    Jede fünfte Vollzeitkraft im unteren Entgeltbereich

    Jede fünfte Vollzeitkraft im unteren Entgeltbereich

    Niedriglohn Diego Cervo / stock.adobe.com Niedriglohn


    Frauen und Ostdeutsche sind besonders betroffen: Sie verdienen trotz Vollzeitarbeit häufig nur ein mickriges Monatsentgelt, wie eine neue Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt.

    Fast jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland verdient trotz Vollzeitarbeit weniger als 2.284 Euro brutto im Monat. Der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im „unteren Entgeltbereich“ sei in den vergangenen Jahren zurückgegangen, zeigt eine neue Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Dennoch zählten 2020 immer noch knapp 19 Prozent der Vollzeitbeschäftigten zu den Geringverdienenden. Dabei sind die Unterschiede nach Regionen, Geschlechtern, Branchen und Qualifikation enorm.

    Besonders betroffen von mickrigen Einkommen sind der Studie zufolge Vollzeitbeschäftigte in Ostdeutschland, außerdem Frauen, junge Arbeitnehmer*innen sowie Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit und ohne Berufsabschluss. So arbeiten bundesweit 2,5 Prozent der Frauen für ein niedriges Monatseinkommen, bei den Männern sind es 15,4 Prozent. Vor allem im Gastgewerbe, der Leiharbeit sowie der Land- und Fortwirtschaft verdienen viele Vollzeitkräfte im unteren Lohnbereich. Per Definition beträgt das Monatsentgelt im unteren Lohnbereich weniger als zwei Drittel des durchschnittlichen monatlichen Bruttoentgelts.

    Regional sind dabei große Differenzen festzustellen, wie die Studie deutlich macht. So arbeiteten 2020 in Wolfsburg 6,4 Prozent und in Erlangen 8,3 Prozent der Vollzeitkräfte im unteren Entgeltbereich, in Görlitz oder dem Saale-Orla-Kreis waren es hingegen deutlich über 40 Prozent. Die höchste Quote weist demnach der Erzgebirgskreis mit 43,2 Prozent auf.

    Die Analyse der Daten aus allen deutschen Landkreisen und kreisfreien Städten zeigt auf, dass sich der Abstand zwischen West- und Ostdeutschland zwar verringert, die regionalen Unterschiede aber weiterhin eine große Rolle spielen: So sind in vielen Kreisen im Osten dabei Quoten von mehr als 30 Prozent relativ verbreitet, während im Westen selbst ländliche Regionen knapp unter diesem Wert bleiben.