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Augsburger Allgemeine: Die Arbeitsbelastung steigt und steigt …

Augsburger Allgemeine: Die Arbeitsbelastung steigt und steigt und steigt...

Soll es nun eine Prämienregelung der besonderen Art bei der Augsburger Allgemeine richten?

Nach dem Abbruch der Haustarifverhandlungen und der daraus folgenden Tarifflucht aus den Tarifverträgen der Druckindustrie durch die Augsburger Allgemeine im August 2018, plant die Geschäftsleitung eine Art Wiedergutmachung für die Beschäftigten in der Druckerei. Mit der Tarifflucht sind sämtliche Besetzungsvorschriften an Rotationsmaschinen weggefallen, die Anzahl der Beschäftigten verringert sich von Jahr zu Jahr und der Arbeitsdruck steigt. Selbst der einzige Auszubildende, der im Sommer 2019 seine Abschlussprüfung erfolgreich bestanden hat, wurde nicht übernommen. Und der Druck auf die Beschäftigten in der Rotation wächst weiter und die Arbeitsbelastung steigt und steigt... Nun versucht die Geschäftsleitung den Druck herauszunehmen. Und wie? Das Wunderheilmittel der Geschäftsleitung soll nun eine individuelle Prämienzahlung mit Bewertungs- und Punktesystem sein.

Die Drucker und Maschinenführer sollen nach dem Willen des Arbeitgebers mit folgenden Kriterien bewertet bzw. bepunktet werden:

  • Qualifikation – Wie ist dieses Kriterium messbar?
  • Arbeitsleitung – Wie ist dieses Kriterium messbar?
  • Soziales Verhalten – Wie ist dieses Kriterium messbar?
  • Flexibel/Loyalität – Wie ist dieses Kriterium messbar?
  • Betriebswirtschaftliches Denken – Wie ist dieses Kriterium messbar?

Die Drucker sollen von dem Maschinenführer, Schichtleiter und Abteilungsleiter bewertet werden. Die Maschinenführer werden vom Schichtleiter und Abteilungsleiter bewertet. Die Punkteskala soll von Null Punkte bis vier Punkte pro Kriterium reichen.

Eine weitere spannende Frage, ist auch die Höhe des zur Verfügung gestellten Geldes (Topf). Über die Höhe des Topfes entscheidet der Arbeitgeber alleine. Das Volumen des Topfes ist dann aber entscheidend, für den Geldfaktor der zu verteilenden Punkte und somit der Prämie.

Als unmöglich empfunden wird, dass der Bewertete das Ergebnis seines Bewertungsbogens nicht erhalten soll. Er kann also nicht erkennen, wie seine Bewertung aussieht. So hat der Betroffene auch keinerlei Möglichkeit, mögliche Defizite zu erkennen und zu verbessern! Ein Unding!

Bleibt den Beschäftigten nur zu empfehlen, dem Ergebnis der Bewertung zu widersprechen und sich an den Betriebsrat zu wenden!

Der Betriebsrat sieht dieses Modell der individuellen Bewertung ebenfalls kritisch, sowohl hinsichtlich der Einzelbewertungen, der Transparenz der Bewertungsbögen, als auch bezüglich des bisherigen Topfvolumens. Der Vorschlag des Betriebsrats einer einheitlichen Teamprämie für alle, fand seitens der Geschäfts-, der Abteilungsleitung und der Maschinenführer keine Zustimmung. Nach dem Willen des Betriebsrats soll dieser Modellversuch vorerst auf ein halbes Jahr befristet sein. Der Betriebsrat will die Ergebnisse abwarten, dann nochmals neu bewerten und gegebenenfalls nachjustieren.

Die Fakten liegen auf der Hand. Tarifflucht, stetig abnehmende Zahl der Drucker, Einzelbewertungen und daraus resultierende Prämien, die ganz offensichtlich nicht dazu geeignet sind, Teamfähigkeit und Kollegialität zu fördern und zu honorieren.

„Ist das der sogenannte ,Augsburger Weg‘ des Medienkonzerns Augsburger Allgemeine?“, so ver.di-Sekretär Rudi Kleiber.

Übernommen aus ver.di Augsburg kompakt