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Wirtschaftsjournalisten neoliberal ausgebildet

Wirtschaftsjournalisten neoliberal ausgebildet

Wirtschaftsjournalisten Right 3 - stock.adobe.com Wirtschaftsjournalisten

 

Ob Finanzmarktkrise, Euro- oder Griechenland-Krise: Das Bild in den Medien ist oft stark von neonliberalen Sichtweisen geprägt. Deshalb hat sich die Otto-Brenner-Stiftung mit der Frage beschäftigt, wie vielseitig Wirtschaftsjournalist*innen  ausgebildet werden. Das Fazit der Studie: Pluralismus kommt in der Ausbildung viel zu kurz. Die Lehrinhalte weisen „blinden Flecken und Leerstellen“ auf.

Die Macher der Studie betonen, dass aktuelle politische und gesellschaftliche Umwälzungen mit komplexen wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Fragen einhergehen. Deshalb stehe der Wirtschaftsjournalismus vor der Herausforderung, mit vielfältigen Perspektiven zu einer demokratischen Meinungsbildung beizutragen. Doch die Realität sieht anders aus. In der empirischen Studie wurden über 300 Modulangebote aus 17 Studiengängen untersucht. Das Ergebnis zeigt, dass dabei einseitige Sichtweisen dominieren und die Vielfalt wirtschaftswissenschaftlicher Strömungen, Forschungen und Expertise nicht genügend abgebildet wird.

Als ökonomische Fachkenntnisse würden überwiegend „neoklassische“ Inhalte mit abstrakt-mathematischen Modellierungen vermittelt, heißt es in der Studie weiter. Solche Inhalte beruhten dabei auf umstrittenen Annahmen: Sie gingen beispielsweise davon aus, der Mensch sei ein „rationaler Nutzenmaximierer“ oder Staatsausgaben seien eher als Schulden statt als Investitionen zu betrachten. Dabei zeigt sich der Trend, dass Wahlmodule im Vergleich zu Pflicht- und Basismodulen etwas pluraler sind. Umgekehrt gilt also: Je verpflichtender und je grundlegender die Veranstaltung, umso weniger ausgeglichen und vielseitig sind die vermittelten Inhalte.

„Vermutlich ist den wenigsten angehenden Wirtschaftsjournalist:innen bewusst, dass sie in ihrer Ausbildung in Deutschland statt einem fundierten, breitgefächerten ökonomischen Fachwissen überwiegend eine neoklassische Monokultur vermittelt bekommen“, sagt Studienautor Valentin Sagvosdkin von der Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung. „Eine Berichterstattung, die sich allein auf solche Expertise stützt, ist im besten Fall fachlich inadäquat, im schlechtesten Fall ist sie unabsichtlich politisch gefärbt.“