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In der Krise hapert es an Mitbestimmung

In der Krise hapert es an Mitbestimmung

Mitbestimmung? In der Pandemie häufig Fehlanzeige. In ihrem neuen Buch erklären Richard Detje und Dieter Sauer, dass viele Betriebsrät*innen ihre Rechte kaum wahrgenommen haben. Doch die Autoren zeigen auf, dass es auch anders geht – und sich neue Chancen auftun.

Die Pandemie setzte in vielen Betrieben die Mitbestimmung außer Kraft – und förderte gerade zu Beginn eine „Rückkehr der Patriarchen“. Doch es geht auch anders. In ihrem neuen Buch „Corona-Krise im Betrieb. Empirische Erfahrungen aus Industrie und Dienstleistungen“ zeigen Richard Detje und Dieter Sauer unter anderem auf, wie sich die Pandemie auf die betrieblichen Interessensvertretungen auswirkt. Dafür führten sie eine Reihe von Gesprächen und Interviews. Die Autoren kommen zu der Feststellung, dass selbst dort, wo es noch Betriebsrät*innen gibt, viele die ihnen zustehenden Mitbestimmungsrechte in der Corona-Krise kaum wahrgenommen haben.

Als Beispiel führen die Wissenschaftler die Mitbestimmung bei der Verteilung von Kurzarbeit an. Gerade die ersten Monate der Pandemie seien davon geprägt gewesen, dass „keine Fortschritte in der betrieblichen Mitbestimmungspraxis erreicht wurden“.  Damit einher ging in der Regel eine Phase, die sich als „Zeit der Anordnungen und Verfügungen“ charakterisieren lässt.  Aber, so stellen Detje und Sauer fest, es „gibt auch die andere Welt der Betriebe“: Dort haben die Betriebsrät*innen und Belegschaften ihre Rechte wahrgenommen und daran festgehalten.

Die veränderten Rahmenbedingungen für Betriebsrät*innen und Gewerkschaften durch die verstärkte Nutzung von digitalen Medien sehen die Autoren widersprüchlich. Einerseits leidet darunter der direkte Austausch im Betrieb, zum Beispiel durch die Verlagerung von Betriebsversammlungen in den digitalen Raum. Andererseits kann die bestehende Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit den Kolleg*innen durch die digitalen Formate neue Beteiligungsmöglichkeiten eröffnen. Detje/Sauer kommen zu dem Fazit, dass die Betriebe weiterhin ein „wichtiger Bezugspunkt des kollegialen Austausches“ bleiben. Und dieser ist für solidarisches Handeln unabdingbar.

Tipp: Richard Detje ist Referent zum Thema "Coronakrise im Betrieb - Welche Auswirkungen hat Corona für die Beschäftigten?" bei den 15. ver.di-DruckerTagen vom 11. bis 13. Juni 2021 im ver.di-Bildungszentrum »Das Bunte Haus« in Bielefeld
Link zum Programm

 

 

Richard Detje / Dieter Sauer: Corona-Krise im Betrieb. Empirische Erfahrungen aus Industrie und Dienstleistungen
VSA Verlag, 144 Seiten | 2021 |
ISBN 978-3-96488-097-0
12,80 Euro

Link zum Verlag:
VSA Verlag Corona-Krise im Betrieb