Bayerischer Buchhandel und Verlage

Tarifverhandlungen ohne Ergebnis beendet

12.03.2024

ver.di-Tarifinfo

Wir akzeptieren keinen Dumping Tarifvertrag

Die Arbeitgeber haben der ver.di Tarifkommission ein ultimativ letztes Angebot für einen Tarifabschluss vorgelegt. Nach dem Willen der Arbeitgeber werden die Einkommensverluste der letzten fünf Jahre nicht ausgeglichen, sondern sie vergrößern sie weiter. Sie wollen an der substanziellen Benachteiligung von gelernten Buchhändler*innen nichts ändern. Sie wollen die Reallohnverluste nicht ausgleichen. Die Arbeitgeber in Bayern muten den Beschäftigten im Vergleich zu anderen Bundesländern und vergleichbaren Branchen einen Verlust von weit über 1.600 € in den nächsten zwei Jahren zu.

Einkommensverluste der letzten Jahre werden vergrößert

Seit 2017 haben die Beschäftigten im bayerischen Buchhandel und bei den Verlagen über 16 % Reallohnverluste hinnehmen müssen, da es bis 2022 keine Tariferhöhungen gab. Damit rangieren die Einkommen im untersten Einkommensdrittel der Berufe in Deutschland. Substanzielle Benachteiligung von gelernten Buchhändler*innen 200 bis 500 € im Monat niedriger sind die Einkommen der Beschäftigten im Buchhandel und bei den Verlagen als bei vergleichbaren Tätigkeiten mit dreijähriger Berufsausbildung in anderen Bundesländern bzw. im Einzelhandel. Damit werden die Beschäftigten zu Arbeitnehmer*innen zweiter Klasse abgestempelt.

Arbeitgeber wollen Reallohnverluste fortsetzen

Auch im letzten ultimativen Angebot von knapp über 9 % über zwei Jahre Laufzeit bleiben die Arbeitgeber unter den Angeboten der vergleichbaren Branchen und muten damit den Beschäftigten erneut Reallohnverluste zu.

Unterschied von weit über 1.600 Euro

Eine weitere Zumutung liegt in der Ausgestaltung des Angebots der Arbeitgeber. Für das Jahr 2023 soll es keine Erhöhung geben. Der erste Schritt soll erst im Januar 2024 erfolgen. Der zweite Schritt wäre mit weiteren Nullmonaten versehen und würde erst zum 1. Juli 2024 erfolgen. In der Summe ergibt sich damit ein Unterschied von 1.600 bis 2.400 € zu den Angeboten der vergleichbaren Branchen in 2023 bis 2025. Und das zusätzlich zu den bereits bestehenden Gehaltsunterschieden von 200 bis 500 € im Monat.

 
BY Buch

Tarifabschluss und Flächentarifvertrag sind auf dieser Basis nicht möglich

Im Ergebnis verhindern diese arbeitgeberseitigen Zumutungen einen Tarifabschluss: Wir werden den dramatischen Einkommensunterschied von 1.600 bis 2.400 € in den nächsten zwei Jahren im Vergleich zu anderen Bundesländern und vergleichbaren Branchen nicht zementieren.
Nach dem Willen der Arbeitgeber sollen Beschäftigte mit einer dreijährigen kaufmännischen Ausbildung selbst nach den Gehaltserhöhungen im Jahr 2025 lediglich 2.554 € brutto bekommen und damit ihr Leben in München, Nürnberg, Augsburg mit exorbitanten Mieten bestreiten, für die Zukunft vorsorgen, Rücklagen für Risiken oder dringend notwendige Anschaffungen bilden etc. Wir sind der Auffassung, dass dies mit solch niedrigen Bruttolöhnen nicht möglich ist und deswegen werden wir diese Löhne auch nicht in einem Tarifvertrag festschreiben.

Mit Arbeitgeberverband in die Altersarmut

Mit dieser Haltung des Arbeitgeberverbandes kommen wir im Kampf gegen das dramatische Risiko der Altersarmut nicht voran. Selbst armutsfeste Einkommen wären mit den angebotenen Tarifeinkommen nicht gewährleistet.

Wir müssen stärker werden

Leider hat das bisherige Engagement der Beschäftigten bei den Tarif-Aktionen zu keinem besseren Ergebnis geführt. Deshalb braucht es in der Zukunft mehr und breitere Beteiligung. Aus den vielfältigen Erfahrungen in anderen Branchen und Tarifrunden wissen wir, dass es für den Ausgang von konfliktären Tarifrunden entscheidend ist, dass möglichst viele Menschen gewerkschaftlich für ihre Interessen eintreten. Damit sich an den Verhältnissen im Buchhandel und Verlagsbereich in Bayern etwas ändert, müssen sich mehr Menschen in ver.di organisieren.

Wir müssen neue Wege gehen

Da es nach sieben Tarifverhandlungen, Streikaktionen und Aktionen in einzelnen Betrieben zu keinem akzeptablen Ergebnis gekommen ist, wollen wir auch neue sowie bekannte erfolgreiche Wege gehen. Dazu gehört auch, über Unternehmens- oder Haustarifverträge zu besseren Ergebnissen zu kommen. Aber auch hier kommt es entscheidend darauf an, wie viele Menschen sich organisieren und engagieren.
Dazu werden wir in den nächsten Wochen mit unseren engagierten Kolleginnen und Kollegen in Diskussion gehen.

Es geht um Euer Geld, um Eure Zukunft und um Euer Leben. Deshalb seid dabei. Organisiert Euch und Eure Kolleginnen und Kollegen. Engagiert Euch!

https://mitgliedwerden.verdi.de

 

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