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    WAZ-Gruppe beschädigt demokratische Strukturen

    WAZ-Mediengruppe

    WAZ-Gruppe beschädigt demokratische Strukturen

    21.03.2013 - "Eine fatale Fehlentscheidung": mit diesen Worten kommentiert der NRW-Landesvorstand der Deutsche Journalistenunion in ver.di (dju) die angekündigte Streichung von 200 weiteren Stellen bei der Funke-Mediengruppe, ehemals WAZ-Mediengruppe. "Mitfühlende Äußerungen in Richtung Belegschaft können über die Ideenlosigkeit der Konzernleitung nicht hinwegtäuschen", sagte Corina Lass, Mitglied des geschäftsführenden NRW-Vorstands.

    Die jetzt getroffene Entscheidung werfe die Frage auf, ob es allein darum gehe, den 500-Mio.-Euro-Ankauf der Brost-Anteile an der WAZ durch Petra Grotkamp zu finanzieren. Zudem zeige sie, dass die Konzernleitung immer noch keine Konzepte entwickelt habe, qualitativ hochwertigen Journalismus mit den Online-Entwicklungen der vergangenen Jahre auch finanziell gewinnbringend zu verbinden.Dafür spricht, dass die WAZ-Gruppe ihre Axt nun auch im Online-Bereich ansetzt: Gerade hat die Zeitungsgruppe Thüringen der WAZ-Gruppe die Online-Redaktion nach Hause geschickt, betroffen sind zehn feste und zehn freie Mitarbeiter.

    "Lokal- und Regionalzeitungen haben ihre Stärken im Lokalen und im Regionalen", sagte Lass. "Wenn ein Medienkonzern dort abbaut, wo sich die Menschen mit ihrer Lebenswirklichkeit wieder finden, verliert er sein Alleinstellungsmerkmal." Angesichts von Renditen, die über zehn Prozent liegen, "gibt es allerdings auch keinen Grund, sich die eigene Geschäftsgrundlage zu entziehen – zum Schaden der Mitarbeiter und unter Verzicht auf ausgezeichnet recherchierte Berichte, auf die die Öffentlichkeit einen Anspruch hat."

    Wohin die Reise tatsächlich gehe, habe Geschäftsführer Manfred Braun bereits im Februar klar erklärt, als er sagte, Zeitungen seien nur dort gut aufgestellt, wo es nur eine Zeitung gebe. "Die Stellenstreichungen sind daher nicht nur tragisch für die Mitarbeiter. Der von der WAZ-Gruppe eingeschlagene Weg, der ja nicht erst mit der Schließung sämtlicher Redaktionen bei der Westfälischen Rundschau Anfang Februar begonnen hat, verringert die Medienvielfalt, er beschränkt die Meinungsvielfalt und beschädigt demokratische Strukturen."