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Wetzlarer Neue Zeitung: Tarifflucht

Wetzlarer Neue Zeitung: Tarifflucht

06.07.2015 - Die Geschäftsführung von Wetzlardruck (Wetzlarer Neue Zeitung) hat in einer Hausmitteilung erklärt, das Unternehmen sei ab 1. Juli 2015 nur noch Mitglied  „ohne Tarifbindung“ (OT) in den Verbänden der Druckindustrie und der Zeitungsverlage.
 
ver.di verurteilt die Tarifflucht scharf. Auch die Beschäftigten bei Wetzlardruck haben in den letzten Jahren in den Tarifverhandlungen auf reale Einkommenszuwächse verzichtet und immer mehr Aufgaben übernommen. Statt dies zu würdigen, soll bei Wetzlardruck jetzt auch noch der Tarifschutz genommen werden.
 
Aktuell wird sich für Beschäftigten erst einmal nichts ändern. Die mittel- und langfristigen Folgen des Wechsels in OT können aber gravierend sein.
 
Auch nach dem Wechsel des Unternehmens in eine OT-Mitgliedschaft bei den Arbeitgeberverbänden bleibt die Tarifbindung für die Mitglieder von ver.di in jedem Fall bis zum jeweiligen Auslaufen der aktuell bestehenden Tarifverträge bestehen. Dies gilt auch für bisher nicht organisierte Kolleginnen und Kollegen, die vor dem Auslaufen der Flächentarifverträge Mitglied der ver.di werden.
 
Erste konkrete Folgen hat die Tarifflucht bei künftigen Tarifabschlüssen. Auf tariflich vereinbarte Gehaltserhöhungen besteht dann kein Anspruch mehr. Damit wird es ins Belieben der Geschäftsführung gestellt, ob Gehaltserhöhungen gewährt werden und ob bei Neueinstellungen die tariflichen Mindeststandards noch gelten.
 
Der laufendende Gehaltstarifvertrag für Redakteurinnen und Redakteure ist frühestens zu Ende 2015 kündbar. Der Lohn- und der Gehaltstarifvertrag der Druckindustrie laufen noch bis Ende März 2016.
 
Wetzlardruck ist nach eigenen Angaben der größte Zeitungsverlag in Mittelhessen. Seine Zeitungsgruppe Lahn-Dill mit ihren sechs Lokalausgaben hat täglich mehr als 200.000 Leser. In Verlag und Druckerei sind rund 300 Menschen beschäftigt.