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ver.di erstreitet Mindestlohn bei Pseudo-Volontariat im Buchverlag

ver.di erstreitet Mindestlohn bei Pseudo-Volontariat im Buchverlag

18.12.2018 - Sogenannte „Volontariate“ breiten sich schon längere Zeit in den Medienbranchen aus. Mit der Einführung des Mindestlohns wurden Ausbildungsverhältnisse vom Mindestlohngesetz ausgenommen – sehr oft liegt die monatliche Volontariats-Vergütung unter dem Mindestlohn. Wird unterhalb des Mindestlohns gezahlt, aber auch nicht ausgebildet, sondern die Volontärin bzw. der Volontär als ganz normale Arbeitskraft eingesetzt, liegt schlicht ein Missbrauch des Mindestlohngesetzes vor.

Dagegen klagte eine frühere Volontärin mit Unterstützung der Gewerkschaft ver.di. Sie hatte ihr Volontariat bei einem süddeutschen Buchverlag absolviert und Mindestlohn beim Arbeitgeber eingefordert – was dieser zurückwiesen hatte. Vor dem Arbeitsgericht blieb nun der Verlag den Nachweis eines Ausbildungsverhältnisses schuldig.  Ohne ein Urteil abzuwarten, hat nun der Verlag die Differenz zum Mindestlohn rückwirkend vollständig erstattet – und Zinsen obendrauf. Damit hat sich auch ein Urteil erübrigt. Der Verlag muss die Kosten des Verfahrens tragen.

Das Verfahren wurde begleitet vom ver.di-Fachbereich Medien, Kunst und Industrie in Hamburg. Martin Dieckmann, Fachbereichsleiter, sagt dazu: „Das Beispiel unserer Kollegin zeigt, dass es sich lohnt, mit Unterstützung der Gewerkschaft gegen den Missbrauch des Mindestlohngesetzes durch angebliche Volontariate vorzugehen. Darüber hinaus sind aber branchenweite, verbindliche Regelungen erforderlich – wie sie beispielsweise im Journalismus gelten.“