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Arbeitgeber wollen uns in falscher Sicherheit wiegen

Arbeitgeber wollen uns in falscher Sicherheit wiegen

Mit diesem Tarif-Info EXTRA soll der Verhandlungsstand etwas ausführlicher dargestellt werden.

Zum Manteltarifvertrag (MTV) hat der bvdm in der vierten Verhandlung am 30.10. angeboten:

  • Der MTV für die derzeitigen Beschäftigten wird ohne die Anhänge wieder in Kraft gesetzt.
  • Mit der Wiederinkraftsetzung gilt sofortige Friedenspflicht.
  • Für alle Neubeschäftigten soll es eine Verhandlungsverpflichtung zum MTV geben.
  • In einer Neuregelung könnten unstrittige Punkte des MTV, wie z.B. der Urlaubsanspruch auch für Neueingestellte wieder in Kraft gesetzt werden.

Für einen Neuabschluss des MTV fordert der bvdm zusätzlich Öffnungsklauseln für freiwillige Betriebsvereinbarungen, um nachfolgende Abweichungen betrieblich vereinbaren zu können:

  • Absenkung von Zuschlägen, Jahresleistung und Urlaubsgeld sowie Verlängerung der Arbeitszeit – im Gegenzug soll es Beschäftigungssicherung geben.
  • altersgerechtes Arbeiten, z.B. erleichterter Ausstieg aus der Schichtarbeit

 

Aus diesen Forderungen und Vorstellungen der Arbeitgeber kann man nur folgende Schlüsse ziehen:

  1. Der bvdm spricht von Reform, meint jedoch in den meisten Fällen Verschlechterungen.
  2. Die Belegschaften in den Betrieben sollen gespalten werden, indem zwischen derzeitigen und zukünftigen Kolleg*innen unterschieden wird. In der Druckindustrie ist es schwierig Fachkräftenachwuchs zu finden – und dann sollen ausgerechnet für jüngere Kolleg*innen schlechtere Konditionen gelten.
  3. Durch die Wiederinkraftsetzung des MTV ohne die Anhänge werden die bestehenden Regelungen zur Maschinenbesetzung (C Anhang Druck) nicht wieder in Kraft gesetzt und sollen demnach nicht mehr gelten.
  4. Die Verhandlungen für einen neuen Manteltarifvertrag sollen unter den Bedingungen der Friedenspflicht stattfinden. Somit würde ver.di wesentliches Druckpotenzial genommen.
  5. Am Verhandlungstisch hat der bvdm ausdrücklich seine Forderungen zur Reduzierung der Zuschläge, die Kürzung der Jahresleistung und des Urlaubsgeldes sowie die unbezahlte Verlängerung der Arbeitszeit zu den strittigen Themen gezählt, bei denen die Arbeitgeber Einschnitte wollen.
  6. Diese Verschlechterungen sollen durch tarifliche Öffnungsklauseln für freiwillige Betriebsvereinbarungen ermöglicht werden.

Damit würde der bestehende Konflikt auf die betriebliche Ebene verlagert, um dort Verschlechterungen für Beschäftigte durchzusetzen. Das sind „Flexibilisierungen“, die definitiv nicht im Sinne der Kolleg*innen sind.

Wir nehmen mit Verwunderung zur Kenntnis, dass sich die Aussagen des bvdm am Verhandlungstisch von denen in seinen Veröffentlichungen z.T. mehr als deutlich unterscheiden.

Der bvdm behauptet auch, dass ver.di die Lohnforderung im Zuge der Verhandlungen halbiert hätte.

Richtig ist Folgendes:

Der bvdm hat in der zweiten Verhandlung ein Lohnangebot vorgelegt, das nach 3 Nullmonaten eine Einmalzahlung von 400 Euro und nach weiteren 7 Monaten ohne lineare Erhöhung 2,4 Prozent bei einer Gesamtlaufzeit von 24 Monaten beinhaltete. Ver.di hat das Angebot als unzureichend abgelehnt und in der dritten Verhandlung versucht, mit konstruktiven Vorschlägen zu einem zeitnahen Lohnabschluss zu kommen.

Der erste Vorschlag war ein Abschluss über 12 Monate mit einer linearen Erhöhung um 2,7 Prozent.

Der zweite Vorschlag war ein Abschluss über 24 Monate mit linearen Erhöhungen um je 2,7 und 2,4 Prozent.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der bvdm sein Lohnangebot an keinerlei Bedingungen geknüpft. Daher musste ver.di davon ausgehen, dass der bvdm an einem eigenständigen Lohnabschluss interessiert sei.

Erst am Ende der dritten Verhandlung präsentierte der bvdm sein bekanntes Lohnangebot über 30 Monate und stellte dies unter die Bedingung,
verschlechternde Regelungen zum MTV zu treffen. Diese Verknüpfung der unterschiedlichen Themen hat den bisherigen Verhandlungsverlauf auf den Kopf gestellt und wurde von ver.di zurückgewiesen.

Die Forderungen des bvdm zum MTV sind rückwärtsgewandt und tragen in keiner Weise zur Lösung der Branchenprobleme bei. Es braucht also Druck aus den Betrieben, damit die Arbeitgeber ihre alten Denkmuster aufgeben und vernünftig verhandeln.

 

 

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