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Mitfinanzierung von WR-Transfergesellschaft abgelehnt

WAZ-Konzern

Mitfinanzierung von WR-Transfergesellschaft abgelehnt

Aktionsbild "Worte sind wertvoll" Bernd Mann Worte sind wertvoll

01.02.2013 - Das Verhalten der Geschäftsführung des Essener WAZ-Konzerns bei der möglichen Schaffung  einer Transfergesellschaft für die 120 entlassenen Redakteurinnen und Redakteure der Westfälischen Rundschau (WR) hat die Deutschen Journalistinnen- und Journalistenunion (dju) in ver.di als „verantwortungslos und menschenverachtend“ bezeichnet. „Wer Milliardengewinne macht und 120 Menschen samt ihrer Familien aus in die Arbeitslosigkeit schickt weil er den Hals nicht vollkriegt, sollte wenigstens so viel Restanstand besitzen, die Arbeitslosigkeit vorübergehend in einer Transfergesellschaft aufzufangen“, sagte ver.di-Sprecher Günter Isemeyer. Stattdessen habe der Medienkonzern versucht, die finanzielle Beteiligung des Verlages an einer Transfergesellschaft den Entlassenen aufzubürden, indem das Geld aus Mitteln der Abfindungen entnommen und Kündigungsfristen verkürzt werden sollten. Ein Großteil der Leistungen in Höhe von 60 bzw. 67 Prozent vom letzten Netto würde ohnehin von der Bundesagentur für Arbeit getragen.

Wer die Haltung des eigenen Unternehmens in Arbeitsverträgen als „entschieden sozial“ bezeichne, habe die Pflicht, die schwierige Arbeitsmarkt-Situation für Journalistinnen und Journalisten in Nordrhein-Westfalen bei seinen Entlassungs-Entscheidungen zu berücksichtigen. „Momentan kann man die Haltung der Verlagsleitung nur noch als widerlich und asozial bezeichnen“, sagte Isemeyer.

Dazu passe das Ansinnen des Konzerns, den Titel Westfälische Rundschau durch eine weitere Herausgabe der Zeitung ohne eigene Redaktion finanziell auszupressen. Dabei sei es eine Binsenweisheit, dass „eine Zeitung ohne Redaktion keine Zeitung ist“. Das hätten Leserinnen und Leser durch Abbestellungen sowie Anzeigenkunden durch  ihre Zurückhaltung dem Verlag deutlich gemacht.

Die Journalistengewerkschaften  dju und DJV-NRW  haben für Samstag (2.2.) um 11 Uhr zu einer öffentlichen  „Trauerfeier“ vor dem ehemaligen Redaktionssitz der Westfälischen Rundschau in Dortmund, Brüderweg 9, eingeladen. „An diesem Tag wird in vielen Städten Westfalens die Stimme der eigenständigen Lokalredaktionen der Westfälischen Rundschau verstummt sein - zu Grabe getragen wird die verstorbene Meinungs- und Medienvielfalt“, heißt es in einem Aufruf. Ab 1. Februar bzw. 1. April wird der Lokalteil nicht mehr von Redaktionen der WR erstellt, sondern von den Konkurrenzverlagen Lensing-Wolff, Ippen und Rubens sowie der zum Konzern gehörenden Westfalenpost zugeliefert.