Bayerischer Buchhandel und Verlage

Arbeitgeber nehmen Realität der Beschäftigten nicht wahr

18.01.2024
TI Bayern

ver.di-Pressemitteilung

Die siebte Tarifverhandlung für die Beschäftigten im bayerischen Buchhandel und bei den Verlagen stellt nach Auffassung der Beschäftigtenvertreter*innen den Flächentarifvertrag in Frage. Nach viel Bewegung durch weitere Streiks und Aktionen der Beschäftigten, zeigten die Arbeitgeber wiederrum keine Bewegung am Verhandlungstisch. Die Arbeitgeber legten auch heute kein neues, verbessertes Angebot vor, obwohl das bisher vorliegende Angebot vom September 2023 Reallohnverluste bedeutet und die Gefahr der Altersarmut massiv verschärft.

„Seit 2017 haben die Beschäftigten im bayerischen Buchhandel und bei den Verlagen über 16 % Reallohnverluste hinnehmen müssen. Damit rangieren die Einkommen im untersten Einkommensdrittel der Berufe in Deutschland. 200 bis 500 € im Monat trennen die Einkommen der Beschäftigten im Buchhandel und bei den Verlagen von vergleichbaren Tätigkeiten im Einzelhandel. Trotzdem beharren die Arbeit-geber auch nach sieben Tarifverhandlungen auf Tarifangeboten, die bundesweit am schlechtesten sind. Damit werden die Beschäftigten zu Arbeitnehmer*innen zweiter Klasse abgestempelt“, erklärte Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer.

„Berichte von Beschäftigten, die sich gezwungen sehen, die Branche zu wechseln, weil ihr Einkommen nicht mehr fürs Leben reicht, ignorieren die Arbeitgeber. Dies hat verheerende Konsequenzen für die Zukunft. Noch verheerender wirkt sich die Haltung der Arbeitgeber auf die Zukunft der Beschäftigten aus, bei denen das Risiko von Armut im Alter von Jahr zu Jahr größer wird. Vielen Beschäftigte sind akut vom Altersarmut bedroht und entscheidende Schritte im Kampf gegen diese prekäre Zukunft verweigern die Arbeitgeber“, so Thiermeyer weiter.

Das bereits im September überreichte unveränderte Angebot sieht für 2023 nach vier Nullmonaten eine Entgeltsteigerung von 4,5 % vor, für die unteren Entgeltgruppen von 100 € im Monat. Dies bedeutet, bei einer Buchhändlerin im Endgehalt eine Erhöhung von 74 Cent in der Stunde. Auszubildende sollen 100 € mehr im Monat bekommen. In 2024 soll es eine weitere Anhebung von 3 % geben, was bei einer Buchhändlerin im Endgehalt eine Erhöhung von 52 Cent in der Stunde bedeutet. Die Laufzeit soll 24 Monate betragen. Der gekündigte Manteltarifvertrag soll wieder abgeschlossen werden.

Hintergrundwissen:
ver.di forderte für die tarifgebundenen Beschäftigten im bayerischen Buchhandel und bei den Buchverlagen:

  • Erhöhung der Löhne und Gehälter um 2,50 € in der Stunde.
  • Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 250 € im Monat.
  • Die Laufzeit des Tarifvertrages soll 12 Monate betragen.

Die Tarifverhandlungen werden am 19.02.2024 fortgesetzt, um dort die Zukunft des Flächentarifvertrages zu entscheiden.

 

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