KEDi: Neues Kompetenzzentrum der dena mit Blick auf Industrie

26.05.2023

Energieeffizienz durch Digitalisierung ist das Ziel des Zentrums im Aufbau in Halle an der Saale

Die Deutsche Energieagentur (dena) hat einen neuen Ableger: Das KEDi, das Komptenzzentrum für Energieeffizienz durch Digitalisierung in Industrie und Gebäuden hat seinen Gründungsakt während des Online-Teils der Berliner Energietage Anfang Mai im Livestream gefeiert. Vorgestellt hat sich das Kompetenzzentrum iim Aufbau, das noch offene Stellen hat, beim Präsenzteil der Energietage zwei Wochen später im Berliner Ludwig-Erhard-Haus. Heike Marcinek, die Sprecherin des neuen Kompetenzzentrums, unterstrich dabei, dass dieses neue Zentrum vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klima langfristig angelegt sei. Die Finanzierung stehe bis ins Jahr 2038, so dass man sich nicht von Antrag zu Antrag hangeln müsse. Geplant sei insgesamt ein Ausbau auf 60 Stellen für deutschlandweites Beraten.

Mit einfach anwendbaren Lösungen wolle man mit für mehr Klimaschutz sorgen. Viele Lösungen seien technisch schon vorhanden, müssten aber zusammengetragen und besser kommuniziert werden. Deshalb, um die richtige Sprache für die jeweilige Zielgruppe zu finden, seien im KEDi nicht nur Ingenieur*innen gefragt, sondern auch Leute aus Philosophie und Pädagogik. Eine Zielgruppe sind Industrieunternehmen und Handwerksbetriebe aus der Dimension der Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU). Große Industriebetriebe seien auf dem Sektor mit eigenen Projekten unterwegs. Die zweite Zielgruppe sind die Handelnden in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft.  Außerdem wollen man Einfluss nehmen auf neue, auf Energieeffizienz ausgerichtete Ausbildungspläne in den einschlägigen Handwerksberufen, was eine Langzeitaufgabe sei. Halle entwickele sich zu einem "Epizentrum der deutschen Energiewende", hieß es zur Eröffnung in der Presse, denn in Halle sitzt auch das Kompetenzzentrum Wärmewende.

Zwei Beispiele aus der Praxis zeigten Möglichkeiten der Umsetzung: "Monitoring Erfahrungen in der ersten seriellen Sanierung in Hameln" war das Thema von Stefan Oehler von ecoworks. Die Firma stellt Sanierungsbausätze her, für deren passgenaue fertigung es detailreiche Messungen für die exakt passende Software brauche. Mit dem Messkonzept solle herausgefunden werden, ob mit einer Gebäudesanierung "NetZero" zu erreichen sei und wenn, warum. Sind es sparsame Mieter, eine effiziente haustechnik oder schlicht Messfehler, die vielleicht ein zu gutes Ergebnis vorgaukeln? Mit Bausätzen, die nach den gemessenen Daten hergestellt werden, soll die Sanierung durch Montage der vorgefertigten Teile schnell und kostengünstig möglich werden, was natürlich besonders in Siedlungen mit einer einheitlichen Bebauung in Anwendung kommen kann.

Über "Energiedaten-Management – Hemmnisse und Best Practice aus Sicht eines produzierenden Unternehmens" berichtete Dr. Sergii Kolomiichuk vom Mittelstand-Digital Zentrum Magdeburg und Fraunhofer IFF für Fabrikbetrieb und Automatisierung. Das Problem in den gewachsenen Betrieben sei häufig, dass dort Anlagen verschiedensten Alters und Ausprägung nebeneinander stünden und der Energieaufwand erst im einzelnen ermittelt werden muss. Daher müssten die Messungen an den Anlagen im laufenden Betrieb - also neben den arbeitenden Beschäftigten - sehr detailreich sein.

Er unterstrich, wie wichtig es sei, vor den Messungen in der Fabrikhalle an den Anlagen nicht nur eingehend mit dem Management zu reden, sondern auch mit den Beschäftigten. Zum einen, um den Verdacht zu zerstreuen, dass es sich um eine Kontrolle der Mitarbeiter*innen und nicht der Energieflüsse handele. Und zum anderen, weil die Beschäftigten an den Anlagen sehr viel besser über die Prozesse dort Bescheid wüssten als die Führungetage und deshalb für die Potenzialanalyse enorm wichtig seien. "Digitalisierung geht nur mit den Menschen, sonst ist sie nicht effektiv", hieß es in der Diskussion.  

Susanne Stracke-Neumann