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    Geringverdiener leiden besonders unter Energiepreisen

    Geringverdiener leiden besonders unter Energiepreisen

    Energie Vladimir Gerasimov / AdobeStock Energie


    Die stark gestiegenen Energiepreise bringen vor allem Menschen mit geringem Einkommen in Bedrängnis. Zwei Drittel der Beschäftigten mit einem Monatseinkommen von weniger als 2.300 Euro brutto sehen sich davon betroffen, zeigt eine Umfrage des Portals Lohnspiegel.de, das vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung wissenschaftlich betreut wird. Ein Fünftel davon berichtet von „großen finanziellen Schwierigkeiten“ durch die höheren Kosten für Heizenergie, Benzin und Strom.

    Zudem geben je nach Energieträger 42 bis 50 Prozent an, auf andere Dinge verzichten zu müssen, um ihre Energierechnung zu bezahlen. Hingegen berichtet rund die Hälfte der Beschäftigten mit einem Monatseinkommen von mehr als 4.000 Euro, sich die steigenden Kosten für Energie „ganz gut leisten“ zu können. Allerdings sagt auch in dieser Einkommensgruppe rund ein Viertel, dafür bei anderen Ausgaben sparen zu müssen. Mit einem mittleren Verdienst zwischen 2.300 und 4.000 Euro berichten 45 Prozent von Einschränkungen und jede/r zehnte Beschäftigte von ernsthaften finanziellen Problemen.

    „Wir sehen immer deutlicher, welchen sozialen Sprengstoff die Preisentwicklung der vergangenen Monate birgt“, sagt der Experte für Tarif- und Einkommensanalysen am WSI, Malte Lübker. Entscheidend dafür seien zwei Faktoren: Zum einen entfällt für Haushalte mit geringem Einkommen ein besonders hoher Anteil der Ausgaben auf Güter, die zuletzt viel teurer wurden. Neben Energie zählen dazu auch Nahrungsmittel. Zum anderen haben sie oft keinen finanziellen Spielraum, um die Kosten aufzufangen. „Wenn das Haushaltsbudget sowieso schon auf Kante genäht ist, können Preissteigerungen beim Grundbedarf schnell zu finanziellen Problemen führen“, sagt Lübker.

    Es ist zu erwarten, dass die allgemeine Lohnentwicklung in diesem Jahr hinter den Preissteigerungen zurückbleibt. Real haben die Beschäftigten spürbar weniger Geld in der Tasche, die Kaufkraft der Löhne und Gehälter geht also zurück. Umso wichtiger sei die plante Anhebung des Mindestlohns, heißt es in der WSI-Mitteilung weiter. Ab dem 1. Oktober soll der Stundenlohn von aktuell 9,82 Euro auf 12 Euro steigen.