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    Mehr Streiks erwartet

    Mehr Streiks erwartet

    Mehr Streiks erwartet werkzwei Detmold Mehr Streiks erwartet

     

    Dass Streiks trotz Corona möglich sind, hat sich im vergangenen Jahr bei vielen Tarifkonflikten gezeigt. Insgesamt fielen dadurch 342.000 Arbeitstage aus, etwa so viele wie im Vorjahr. Die WSI-Studie erwartet in diesem Jahr einen kräftigen Anstieg der Arbeitskämpfe.

    Die neue Arbeitskampfbilanz des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass die Pandemie vor allem zu Beginn die Tarifarbeit erschwerte. „Unter den Bedingungen eines umfassenden gesellschaftlichen Lockdowns wurden im Frühjahr viele Tarifverhandlungen zunächst ausgesetzt“, erklären die Wissenschaftler. Abgesehen von wenigen Einzelfällen habe es eine Streikpause von zweieinhalb Monaten gegeben. Statt normaler Verhandlungen über Entgelte oder Arbeitszeiten standen in vielen Branchen zunächst tarifliche Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung sowie zur Aufstockung des Kurzarbeitergelds im Vordergrund. Ab Sommer habe jedoch auch das normale Tarifgeschehen wieder Fahrt aufgenommen, heißt es weiter. Die Gewerkschaften riefen in zahlreichen Tarifkonflikten zu Streiks auf. 

    Die größten Streikaktionen fanden im Herbst im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen sowie im öffentlichen Nahverkehr statt. Die Wissenschaftler betonen, dass es den Gewerkschaften unter dem Strich gut gelungen sei, „auch unter Pandemiebedingungen ihre Arbeitskampffähigkeit unter Beweis zu stellen.“ Neben Präsenzaktionen mit Hygienekonzept, Maske und Abstand hätten Beschäftigte und Gewerkschaften auch neue, innovative Formen digitaler Streikversammlungen und Mobilisierungskonzepte eingeführt. 

    Die Zahl der streikbedingten Ausfalltage bewegte sich der Studie zufolge auf ähnlich niedrigem Niveau wie im Vorjahr. Auch die Zahl der Steikenden lag mit 276.000 etwa so hoch wie im Vorjahr. Allerdings zählten die Wissenschaftler lediglich 157 Arbeitskämpfe – und damit deutlich weniger als in den Vorjahren, in denen es fast immer über 200 waren. Bei der großen Mehrheit davon ging es um Auseinandersetzungen um Haus-, Firmen- oder Konzerntarifverträge. Oft in kleinen oder mittlegroßen Unternehmen, in denen der Arbeitgeber überhaupt eine Tarifbindung verweigerte.  

    Die WSI-Studie hebt hervor, dass die Tarifauseinandersetzungen auch in diesem Jahr maßgeblich von der Pandemie bestimmt werden. Dabei rücke die Frage, „wer denn die Kosten der Pandemie trägt, immer mehr in den Mittelpunkt und prägt damit auch die Verteilungskonflikte zwischen den Tarifvertragsparteien“, berichteten die Forscher. Exemplarisch habe sich die „zunehmende Konfliktintensität“ bereits bei den Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie gezeigt, die in den ersten Monaten des Jahres 2021 von zahlreichen Warnstreiks begleitet wurden. Daran beteiligten sich laut IG Metall mehr als 800.000 Beschäftigte. Breits diese Zahl deute daraufhin, so die Wissenschaftler, dass das Arbeitskampfvolumen in diesem Jahr deutlich größer ausfallen werde als im Vorjahr.  Hinzu kommen weitere große Tarifrunden wie etwa im Einzelhandel, im Groß- und Außenhandel, im Bauhauptgewerbe und im öffentlichen Dienst der Länder, die laut WSI erhebliche Konfliktpotenziale in sich bergen.